Douglas: Zum 25sten Mal unsterblich
- Sven

- 12. Mai
- 7 Min. Lesezeit
Der Deutschlandfunk erinnerte mich gestern, am 11. Mai, freundlicherweise an den diesmal 25sten Trauer-, weil Todestag meines persönlichen Helden Douglas Adams, und fragte, ob ich nicht ungefähr Folgendes beisteuern wolle als sein Übersetzer und Co-Autor, genauer, man wolle mit mir gern darüber reden, „warum Adams’ komischer Blick ins All bis heute so klug ist (…) Was erzählt dieser Humor über Wissenschaft, Philosophie und unseren Platz im Universum? Und warum ist das Absurde manchmal der beste Zugang zu den großen Fragen?“
Gute Fragen. Gute Idee. Immer gern, und wer, wenn nicht ich, sollte dazu eine Lobeshymne auf DNA singen? Dafür nehme ich mir auch gern ein paar Wochen viel Zeit. Wann soll´s denn fertig sein?
Antwort: Heute.
Worauf ich erwiderte, das werde der Sache sicher nicht gerecht, aber sei´s drum, Verehrung geht ja immer; ich könne gegen Abend vor einem Mikro sitzen und zwei, drei Bonmots formulieren respektive wiedergeben, feierlich, feiernd und amüsiert.
Der Deutschlandfunk, der mich um 14 Uhr angeschrieben hatte, bedauerte, es müsse um 15 Uhr sein. Da das ja dann wohl nicht ginge, werde man sich wieder melden.
In fünf Jahren.
Ich fand das schon deshalb sehr angemessen, weil im gebührenfinanzierten Deutschlandfunksender natürlich ein gut gewarteter unwahrscheinlicher Unwahrscheinlichkeitsdrive steht und man ebenfalls natürlich von sich auf alle schließt, insbesondere alle Verehrer von Douglas. Wir alle, ich sowieso, haben natürlich die Möglichkeit, auf Knopfdruck von jetzt auf gleich zwei Wochen zurückzuspringen, ordentlich zu arbeiten, dann direkt um 15 Uhr wieder in einer Videoleitung zu erscheinen und unseren Helden gediegen zu preisen, mit ordentlich Esprit, zitatsicher und so. Undenkbar, dass einer wie ich seine Zeitmaschine in der Wäsche hat oder irgendwo so blöd in der Zukunft abgestellt, dass er nicht mehr ans Zündschloß kommt. Geschieht mir also recht. Hätte ich ja auch vorher dran denken können, spätestens 2030, denn vorher hatte ich ja meine Zeitmaschine noch gar nicht erhalten.
Das Gute an meiner Ausladung bis 2030 wegen Totalversagens ist aber, dass ich die Stunde zwischen Einladung und Absage dann doch genutzt habe, mich noch mal an eine anekdotische Kleinigkeit zu erinnern, die ich gern gedenkend beisteuere, auch und gerade für die vermutlich gerade Volljährigen beim DLF, die Douglas´ Andenken ebenfalls hochhalten, denn das ist ja schön, gut und sehr erfreulich, auch und gerade für einen Unsterblichen.
Zitieren muss ich Adams nicht, mache ich trotzdem, weiter unten. Seinen Verehrern muss ich ihn auch nicht ans Herz legen, da liegt er ja schon fest und für immer. Wohin er aber zusätzlich gelegt gehört, ist ans Herz oder an den Geist der sogenannten Intellektuellen, die ihn eben nicht kennen, weil er eben nur ein witziger Science-Fiction-Autor war, und die Kombination „witzig“ und „SF“ einen natürlich direkt disqualifiziert im Hause Elfenbeinturm. Ich gestatte mir die Empfehlung in Richtung aller Bewohner dieser Hütte: lest und lernt. Und verneigt euch, ihr Angeber.
Mein damaliger Verleger war auch Verleger von Douglas. Er hatte Douglas allerdings nur übernommen, nämlich mit dem Verlag, und nicht gelesen, da er als Literaturconnaisseur und Bewohner von Elfenbeinhausen so was nicht las und auch nicht lesen wollte. Ich legte ihm das zwar dauernd ans Herz, aber er lehnte dauernd dankend ab. Witziger SF-Kram, Zeitverschwendung, nicht sein Tisch.
Ohne sein Zutun stellte dann allerdings ein ganz wunderbarer Enthusiast, nämlich Christoph Reisner, 1992 ein Literaturfest auf die Beine, und zwar eigentlich nur, um Douglas nach Deutschland zu locken. Das gelang, inklusive Anmietung des Hamburger Schauspielhauses (keine kleine Hütte). Ein dem Auftritt folgendes Abendessen im Hause des Verlegers und seiner Gattin wurde verabredet, im Beisein von Übersetzer und Freunden, und der Verleger ließ sich in Erwartung einiger sicher flacher Sci-Fi-Witze sogar darauf ein, der Lesung von Douglas im Schauspielhaus beizuwohnen.
Das war denkwürdig. Nicht nur der Auftritt, denn Douglas war ein exzellenter Entertainer, der seinem Bruder im Geiste Stephen Fry in nichts nachstand, es war auch denkwürdig und bezaubernd für mich, zusehen zu dürfen, wie die elfenbeinerne Ablehnung meines von mir so geschätzten Verlegers binnen anderthalb Stunden in Trümmer ging und Platz machte für reine Begeisterung und größte Verehrung. Natürlich unter schallendem Lachen, denn genau das macht ja das Genie von Douglas aus: Die allergrößten der großen Fragen in so viel Komik und Humor zu kleiden, dass sich die existenzgefährdende Geisteskrise erst nach Verlassen des Theaters Bahn bricht.
Der persönliche Knackpunkt im Leben meines bisher sich klug und durchdacht wähnenden Verlegers war in der Tat die nonchalant vorgetragene und fast nebensächliche Geschichte des Beherrschers des Universums (1) und seiner Katze. Wir (Kenner der Materie (sic)) erinnern und, aber Elfenbeiner nicht, daher sei´s für die in Prosa zusammengefasst: Der Beherrscher des Universums wohnt mit seiner Katze, die er Gott nennt, auf einem abgelegenen Planeten, weit weg von allem anderen, und bekommt gelegentlich Besuch von großen schwarzglänzenden Raumschiffen, deren Passagiere ihm dann allerhand gewichtige Fragen stellen. Nun fragt sich der Beherrscher des Universums, was Gott, seine Katze, eigentlich über diese Besuche denkt. Der Beherrscher des Universums vermutet, dass die Katze sich einbildet, die Besucher kämen ihretwegen vorbei und trügen ihr Gedichte vor. Allerdings muss der Beherrscher des Universums konstatieren, es könne auch tatsächlich so sein, dass die Besucher Gott Gedichte vortragen, während er selbst sich einbildet, sie kämen vorbei und stellten ihm gewichtige Fragen.
Und, doch, so ist das alles in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Lassen Sie sich nicht einreden, Douglas sei der Terry Pratchett der Science Fiction gewesen. Er war zwar mindestens genauso witzig und originell, und wir feiern auch weiter gern mit reinen Baumwollfreunden den Towel Day, aber Douglas´ Komik von Vogonenlyrik bis Wowbagger bis Supercomputer Erde, Mäusen, Delphinen und preisgekrönten Küstenlinien war nie (oder nur sehr selten) reiner Selbstzweck. Hier geht und ging es um die allergrößten der großen Fragen, und selbstredend ungeheuerlich entspannt.
Schade nur, dass wir die Frage auf die Antwort „42“ nicht mehr herausgefunden haben. Und schade, dass Fenchurch der Menschheit nicht mehr sagen konnte, wie die Lösung für alles aussieht. Aber wenigstens bleibt uns Douglas erhalten. Für immer.
P.S.: Und falls irgendwer aus Elfenbein immer noch glaubt, er könne Douglas auslassen, hier ein paar von Trilliarden Spitzen der Eisberge, fast beliebig angeleuchtet. (Bei Bedarf ist in den Kommentaren Platz für Notizen und Ergänzungen):
Es gibt eine Kunst, heißt es, oder vielmehr einen Kniff beim Fliegen. Der Kniff liegt darin, zu lernen, wie man sich auf den Boden wirft und ihn verfehlt. Such dir einen schönen Tag aus und versuch es. Der erste Teil ist einfach
*
Der Mensch hatte immer angenommen, dass er intelligenter als Delfine sei, weil er so viel erreicht hatte - das Rad, New York, Kriege und so weiter - während die Delfine nur im Wasser herumgealbert und eine gute Zeit gehabt hätten. Aber umgekehrt hatten die Delfine immer geglaubt, dass sie viel intelligenter als der Mensch seien - aus genau den gleichen Gründen.
*
"Weißt du", sagte Arthur, "es ist in Zeiten wie diesen, wenn ich in einer Vogonen-Luftschleuse mit einem Mann von Beteigeuze gefangen bin und kurz davor stehe, im Weltraum zu ersticken, dass ich mir wirklich wünsche, ich hätte auf meine Mutter gehört, als ich jung war."
"Warum, was hat sie dir gesagt?"
"Ich weiß es nicht, ich habe nicht zugehört."
*
Das Hauptproblem – eines der Hauptprobleme, denn es gibt mehrere – eines der vielen Hauptprobleme beim Regieren von Menschen ist, wen man dazu bringt, es zu tun; oder besser gesagt, wer es schafft, dass die Menschen es mit sich machen lassen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es ist eine bekannte Tatsache, dass diejenigen Menschen, die unbedingt Menschen regieren wollen, von Natur aus diejenigen sind, die dafür am wenigsten geeignet sind.
Um die Zusammenfassung zusammenzufassen: Jemand, der es schafft, sich zum Präsidenten machen zu lassen, sollte auf keinen Fall den Job ausüben dürfen.
Um die Zusammenfassung der Zusammenfassung zusammenzufassen: Menschen sind ein Problem.
*
Ein häufiger Fehler, den Menschen machen, wenn sie versuchen, etwas absolut idiotensicher zu entwerfen, ist, den Einfallsreichtum von absoluten Idioten zu unterschätzen.
*
"Die Menschen sind Menschen. Die Anführer sind Echsen. Die Menschen hassen die Echsen und die Echsen regieren die Menschen."
"Seltsam", sagte Arthur. "Ich dachte, du hättest gesagt, es sei eine Demokratie."
"Das habe ich", sagte Ford. "Das ist es."
"Also", sagte Arthur in der Hoffnung, nicht lächerlich stumpfsinnig zu klingen, "warum werden die Menschen die Echsen nicht los?"
"Es kommt ihnen ehrlich gesagt nicht in den Sinn", sagte Ford. "Sie haben alle das Wahlrecht, also gehen sie alle so ziemlich davon aus, dass die Regierung, für die sie gestimmt haben, mehr oder weniger der Regierung entspricht, die sie wollen."
"Du meinst, sie stimmen tatsächlich für die Echsen?"
"Oh ja", sagte Ford mit einem Achselzucken, "natürlich."
"Aber", sagte Arthur und ging wieder auf die große Frage ein, "warum?"
"Weil, wenn sie nicht für eine Echse stimmen würden", sagte Ford, "könnte die falsche Echse reinkommen."
*
(Marvin, der paranoide Androide) „Ich bin nach grober Schätzung dreißig Milliarden Mal intelligenter als du. Ich gebe dir ein Beispiel. Denke an eine Zahl, eine beliebige Zahl.“
Zem: „Fünf.“
Marvin: „Falsch. Siehst du?“
*
„Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das hat viele Menschen sehr verärgert und wurde allgemein als schlechter Schachzug angesehen.“
*
Es gibt eine Theorie, die besagt, dass wenn jemand jemals genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es hier ist, es sofort verschwindet und durch etwas noch Bizarreres und Unerklärlicheres ersetzt wird.
Es gibt eine andere Theorie, die besagt, dass dies bereits geschehen ist.
*
„Ich weigere mich zu beweisen, dass ich existiere“, sagt Gott, „denn ein Beweis ist gegen den Glauben, und ohne Glauben bin ich nichts.“
„Aber“, sagt der Mensch, „der Babelfisch ist doch eine unbewusste Offenbarung, nicht wahr? Er hätte sich nicht zufällig entwickeln können. Er beweist, dass es dich gibt, und darum gibt es dich, deiner eigenen Argumentation zufolge, nicht. Quod erat demonstrandum.“
„Ach du lieber Gott“, sagt Gott, „daran habe ich nicht gedacht“, und löst sich prompt in ein Logikwölkchen auf.
„Na, das war ja einfach“, sagt der Mensch, und beweist, weil’s gerade so schön war, dass Schwarz gleich Weiß ist, und kommt wenig später auf einem Zebrastreifen ums Leben.
*
(Spoiler) Gottes letzte Botschaft an seine Schöpfung lautet: "Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten".
(1) In „Das Restaurant am Ende des Universums“, Band 2 der fünfbändigen Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“)

Tränen, genau so geht es mir auch. Der ganze "Tränen der ..." und "Tränen vor ..." Cocktail. Herzlichen Dank, lieber Sven Böttcher!
Hallo Sven,
ich gratuliere dir, mit diesem Genie cokreativ geschöpft zu haben!
Die Anmaßung, das eherbietung Zeit braucht, sehe ich dir nach. Was für ein...
...naja, in heutigen Zeiten natürlich nur.
Danke, für deinen Bericht, wie auch für die Zitate. Kaum zu glauben, dass ich das mit feuchten Augen quittierte. Als einer des fast schon ausgestorbenen Volkes der Dichter und Denker.
Ich danke dir!
Herzliche Grüße
Axel (Wartburg, geb. Dörken)
Ach wie schön. Vor etwa 40 Jahren gelesen, BBC Hörspiel rauf und runter gehört...
What kind of drinks do you serve here?